Sonntag, 14. Dezember 2008

"Was macht eigentlich ein Mediengestalter?"

Anmerkung: Dieser Gastbeitrag wurde von Michael geschrieben und ist auch auf seiner Homepage Schmid.tv erschienen.

Diese Frage bekomme ich immer wieder gestellt, wenn ich hin und wieder mit Schnupperlehrlingen oder Praktikanten zu tun habe. Eigentlich eine ganz einfache Frage, auf die es leider keine einfache Antwort gibt. Ich werde es trotzdem mal versuchen.

Zuerst die Theorie:

Zunächst gibt’s natürlich eine theoretische Definition dafür, die auf dem Sender-Medium-Emfänger (Shannon/Weaver-) Modell der Kommunikation basiert:

Ein Mediengestalter bearbeitet die Nachricht des Senders so auf, dass sie den Empfänger unter zuhilfenahme eines Mediums optimal erreicht.

Klingt jetzt komisch, ist aber wohl die beste allgemein verständliche Definition… Da es eine Unmenge von Medien gibt, wird das ganze dann dementsprechend aufgeglieder in Mediengestalter für Digital- und Printmedien (Zeitschriften, Zeitungen, Internet) und Mediengestalter Bild und Ton (Radio, Fernsehen).

Dann zur Praxis:

Aber versuchen wir es mal konkreter. Im Normalfall bekommt ein Mediengestalter einen Gestaltungsauftrag von einem Kunden, der in irgendeiner Weise Werbung machen will, egal ob in Form einer Webseite, einer Zeitungsanzeige, eines Flyers, einer Präsentation usw. Der Mediengestalter muss nun die Informationen vom Kunden sammeln und für das Zielmedium optimiert in Form bringen und in irgend einer Art für die Veröffentlichung weitergeben. Für eine Webseite wäre das z.B. ein HTML Gerüst, dass dann z.B. von der Technik mit einem Redaktionssystem ausgestattet wird. Für eine Anzeige oder ein Flyer ist das eine Datei, die dann von der Druckerei aufs Papier gebracht wird.

Die Fachrichtungen

Da der Beruf sehr Umfangreich ist, wurde er in drei Fachrichtungen und zwei Arbeitsbereiche unterteil. So gibt es die Bereiche Beratung und Planung, Konzeption und Visualisierung und Gestaltung und Technik. Die Bereiche werden dann noch in die Arbeitsbereiche print oder nonprint eingeteilt.

Der Berater und Planer kümmert sich - wie der Name schon vermuten lässt - um die Kundenberatung und die Medienplanung. Er überlegt sich im Vorfeld, welche Werbung mit welchem Budget die beste Wirkung erziehlt. Neben den offensichtlichen kaufmännischen Aufgaben und dem Kundenkontakt ist hier trotzdem eine Ahnung von der Gestaltungstätigkeit von Nöten, schon allein um die Kalkulation richtig einschätzen zu können.

Der Konzeptionierer und Visualisierer ist der kreative Part in einer Gestaltung. Er darf meist im eigentlichen Sinn “Gestalten” und z.B. Logos oder Designs entwickeln, Typographie einsetzen und sich zielgruppenansprechende Designs überlegen.

Die meisten Ausbildungsplätze werden allerdings im Bereich Gestaltung und Technik vergeben. Die Auszubildenden hier kümmern sich darum, die Designs, die von Agenturen oder den (oben genannten) Visualisieren kommen, für das Ausgabemedium anzupassen. Das kann schlicht die Konvertierung von Dateiformaten sein, aber auch das Anpassen von Farben für z.B. Zeitungspapier usw.. Ein Mediengestalter Gestaltung und Technik kann z.B. auch in der Umsetzung von Internetseiten eingesetzt werden, oder Präsentationen für verschiedene Einsatzbereiche erstellen.

Ich hoffe es wird klar, dass der Beruf des Mediengestalters recht umfangreich ist, und dass zwei Menschen, die eigentlich den gleichen “Beruf” erlernt haben oft in zwei komplett unterschiedlichen Umfeldern und Aufgabenbereichen arbeiten können. Daher gibt es eigentlich nicht den Mediengestalter an sich sondern viele, viele Ausprägungen davon.

Was bei der Ausbildungsstelle wichtig ist

Daher ist meiner Meinung nach das Wichtigste, dass sich ein potentieller Auszubildender die Ausbildungsunternehmen genau ansieht und sich über ein Praktikum oder eine Schnupperlehre einen persönlichen Eindruck davon verschafft, wie die Mediengestalter in “seinem Betrieb” eingesetzt werden. Erfahrungsmäßig sind Mediengestalter bei Zeitungen und Verpackungsherstellern meistens die Handwerker, deren Hauptaufgabe es ist, Vorlagen von Agenturen so zu bearbeiten, dass sie auch auf Zeitungspapier oder Silberfolie noch so aussehen, wie sich der Kreative der Agentur das vorgestellt hat. In kleineren Agenturen oder auch Verlagen kann der Auszubildende dagegen oft schon recht viel selbstständig gestalten und hin und wieder vielleicht sogar ein Logo oder eine Webseite kreieren.

Zukunftaussichten:

Dann ein Wort zu den Zukunftsaussichten. Der Mediengestalter ist ein relativ neuer Beruf. Die ersten Abschlüsse wurden 2000 bzw. 2001 vergeben. Die Kombination aus “Medien” und “Gestaltung” führte lange Zeit zu einem Boom der Ausbildungssuchenden, zudem wurden vom Arbeitsamt versucht viele Umschüler in den neuen Beruf zu bringen. Daher war er zwischen 2003 und 2005 sehr überlaufen und es gab viele arbeitslose Mediengestalter. Diese Situation hat sich inzwischen gebessert, sodass die Anzahl der Ausbildungsstellen in etwa dem Bedarf an neuen Mediengestaltern entspricht. Meiner Einschätzung nach ist der Beruf inzwischen etabliert und in der Normalität angekommen und unterscheidet sich nicht viel von anderen Berufen was das Thema Arbeitsplatz nach der Ausbildung angeht.

Was muss ich mitbringen?

Zunächst mal eine positive Einstellung zu Computern. Die Tätigkeit wird wohl zu 99% am Rechner ablaufen, insofern sollte man zumindest keine Angst vor den Rechenknechten haben. Dann lebt der Mediengestalter von der Offenheit Neuem gegenüber und dem eigenen Engagement sich damit zu beschäftigen. Der Beruf, die Arbeitsmittel und die Gestaltungsrichtlinien sind ständig im Wandel. Programme werden erneuert oder ersetzt, Gestaltungstrends kommen und gehen. Diesem Wandel muss cih der Mediengestalter natürlich anpassen. Von Vorteil ist natürlich auch ein selbstbewusstes, aber freundliches Auftreten, da man oftmals auch Kundenkontakt hat und viele Kunden davon überzeugen muss, dass er mit der gerade vorgelegten Gestaltung seine Ziele besser erreichen kann, als mit der vom “Freak in der Nachbarschaft” ausgearbeitetem “Konzept” Letztlich noch der Bildungsabschluss. Man sollte mindestens die Mittlere Reife haben um sich erfolgreich Bewerben zu können. Das ist jetzt nicht abwertend gemeint, aber meiner Erfahrung nach tun sich Schüler mit mittlerer Reife und Abitur leichter, den hohen Theorieanteil der Ausbildung zu bewältigen und aufgrund der immer noch recht hohen Bewerbungsquote (bei uns ca. 10 Bewerbungen pro Stelle) fangen Personalchefs natürlich gleich an, von “oben nach unten” auszusieben.

Was gibt’s sonst noch?

Mediengestalter ist für mich immer noch ein interessanter Beruf voller täglicher Herausforderungen. Für Abiturienten kann er als Grundlage für ein anschließendes gestalterisches Studium dienen. Zum einen schnuppert man schonmal in die Arbeitswelt, dann kann man vielleicht sogar einige Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern knüpfen und nicht zuletzt kann man sich das Handwerkszeug aneignen, das einem das Studium später erleichtert (und mache Hochschulen rechnen die Ausbildung sogar an).

Ich glaube, wer sich bis hierher durchgekämpft hat, hat zumindest das nötige Sitzfleisch auch die Ausbildung durchzustehen. Ich wünsche auf jeden Fall allen Lesern alles Gute für die künftige Berufswahl, egal ob als Mediengestalter oder was auch immer ;-)

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